Zeit für Ernsthaftigkeit

Die Klausur ist vorbei – jetzt kann ich mich endlich guten Gewissens dem Ernst des Lebens zuwenden: dem Seppo Blog Award, nämlich – nein, entschuldigung, der Seppo Blog Auszeichnung natürlich, die zu gewinnen ich mir zu meinem höchsten Lebensziel nach dem Abschluss dieses hier dokumentierten Studiums gemacht habe.

Ja, ernsthaft – und um das Unerreichbare ein Stück näher in meinen unwürdigen Orbit zu ziehen, mache ich mich hiermit ans Beantworten des verpflichtenden Fragebogens, ohne den man gar nicht erst in die nächste Evaluierungsrunde aufgenommen wird – und da könnte ich mir quasi gleich selbst das Herz mit einem Löffel aus dem Brustkorb pulen.

Worum es geht? Nun ja…

„…es geht ja nicht um irgend eine belanglose Auszeichnung, die cainerley Folgen für den Sieger hat, sondern es geht um eine belanglose Auszeichnung, die cainerley Folgen für den Sieger hat!“ – Seppo

Daher ohne weitere Umschweife, hier mein natürlich völlig ernstgemeinter Seppo-Beeindruckungs-Versuch.


 

#sba2016: Der Fragebogen

Seppo Blog Award FragebogenWas haben Seppo und Du gemeinsam?

Das ist ja ein toller Einstieg in den Fragebogen – ist die Antwort darauf wirklich so offensichtlich, oder ist das eine Art Fangfrage? Da fühle ich mich gleich ein paar Tage in der Zeit zurückversetzt, zurück zu meiner L1-Klausur – und ich bin mir bis heute nicht sicher, ob ich dem Prüfer mit meiner Antwort zum Narrativen Modus nicht vielleicht doch auf den Leim gegangen bin. So einfach konnte es einfach nicht sein! Seppo? Ist die richtige Antwort wirklich „einen Blog“? Shit, hab ich Versagensangst!

Wieso hättest Du die SBA nicht verdient?

Weil ich gleich auf die allererste Frage des alles-entscheidenen Fragebogens nicht die richtige Antwort kenne.

Eine Woche lang keine (soziale) Technik: kein Handy, kein Facebook, kein Blog – nichts. Was würde das mit Dir machen?

Darf ich dann wenigstens SWTOR spielen? Ein Haufen Geeks, die sich vor langer Zeit mit virtuellen Lichtschwertern in einer weit, weit entfernten Galaxie duellieren, können nicht als „sozial“ durchgehen, oder? Wenn nicht – dann muss wahrscheinlich der oben erwähnte Löffel zum Einsatz kommen.

Was inspiriert Dich für Deine Themen?

Meine universitäre Versagensangst und meine Zwangsstörung, jedes Detail meines Lebens zu dokumentieren und zu archivieren. Man stelle sich nur vor, ich wüsste in 10, 20 Jahren das genaue Datum der Klausur irgendeines Einführungsmoduls nicht mehr – und die zugehörige genaue Anzahl an Tagen und Stunden, die ich dazu in der Bibliothek verbracht habe?

Wer hat Dir das Hirn so manipuliert, dass Du bei so einem Wettbewerb teilnimmst? 

Wie ich festgestellt habe, hat der regelmässige Konsum des seppologs zum Teil besorgniserregende Auswirkungen auf die Sichtweise des eigenen, normalerweise völlig ernstzunehmenden Blogs – anders kann ich es mir auch nicht erklären.

Wer sollte Deinen Blog besser nicht lesen?

Ein gewisser sehr guter Freund von mir, der diesen Blog gleich nach der ersten Verlinkung des ersten Artikels auf meinem FB-Profil als „seltsamen Auswuchs“ bezeichnet hat. Der soll sich bloß nocheinmal hierherverirren – dann werd ich ihm schon seltsame Auswüchse zeigen! (#sba2016)

Auf einer Skala von eins bis zehn: Was isst Du am liebsten?

Ja.

Welchen Titel hatte Dein erster Blog-Eintrag, welchen wird Dein letzter haben?

Mein erster hiess völlig uninspiriert „Herzlich Willkommen!“ – mein letzter heisst dann wahrscheinlich „Ich bin endlich Bachelor(ette)!“, oder „Ich habe den #sba2016 gewonnen!“, je nachdem, was zuerst eintritt. In beiden Fällen habe ich dann ja quasi ausgesorgt.

Was frühstückst Du?

Die Zecherln meines Sohnes. Und das meine ich völlig ernst.

Katze oder Hund?

Wellensittich! Die Katzen dieser Welt haben sich zusammengerottet, um mir einen möglichst qualvollen Tod durch Ersticken und/oder Ertrinken im Sekret meiner rinnenden Augen/Nase zu bereiten. Ein Hund bleibt mir in diesem Leben leider auch verwehrt, weil der andauernd irgendwo stundenlang ins Freie muss um dort sinnlos herumzurennen – und dorthin kann ich meine Couch leider nicht mitnehmen.

Hast Du sonst niemanden, dem Du das alles erzählen könntest?

Nein, wen sollte das alles interessieren???

Wer liest Dich überhaupt?

Na, der Seppo, hoffentlich! Und angeblich 249 Follower aus dem universitären Umfeld. (Bei denen ich jetzt wahrscheinlich vollkommen untendurch bin.)

Was müsste geschehen, dass Du mit dem Bloggen aufhörst?

Sudden death, beziehungsweise wohl das Erlangen meines BAs.

Welche Eigenschaft an einem Menschen schätzt Du am meisten?

Hier mal eine ernste Antwort: Ehrlichkeit und Verlässlichkeit. Und ein gewisses Maß an Alltags-OCD, das meinem zumindest nahekommt.

Was ist Deine beste Eigenschaft?

Ehrlichkeit, Verlässlichkeit – und ein möglicherweise übertriebenes Maß an Alltags-OCD.

Was ist Dein größter Fehler?

Ehrlichkeit, Verl… well, you get the picture.

Wie, denkst Du, sehen Dich die anderen Menschen?

Ehrlich, verl… ok, Schluss damit. Die meisten sind vermutlich der Meinung, ich hätte einen Poscher.

Was würdest Du niemals in einem Blog posten?

Ein Foodstagram! Das würde ich mich nicht trauen – Frau Kollegin D.

Glaubst Du neben Seppos Blog noch an andere Wunder?

Das muss ich ja – wie sonst sollte ich meinen BA jemals erreichen? Oder gar meinen MA?

Wenn Du einen Gegenstand in eine Zeitkapsel tun könntest, welche erst in 100 Jahren geöffnet werden würde, welcher Gegenstand wäre das?

Vermutlich ein Pommes vom McD’s. Alles andere würde ja mit der Zeit kaputt gehen.

Was bedeutet Schreiben für Dich, was macht es mit Dir?

Es macht, dass 8 meiner 10 Finger in schnellem Stakkato systematisch über meine Tastatur gleiten.

Wie kriegst Du Seppo ins Bett?

Die Fragen, die es vorher auf jeden Fall zu klären gilt: Schnarcht er? Nimmt er mir in der Nacht meine Decke weg? Akzeptiert er kalte Füsse zwischen seinen Waden? Was sagt seine Mitbewohnerin dazu? Danach können wir gerne über die eigentliche Frage sprechen.

Was macht Mannsein für dich aus, was Frausein?

Ich war noch nie ein Mann, daher kann ich dazu leider nichts sagen. Frauen werden meistens durch ihre Vagina definiert – und definitiv durch lange Haare, wenn man so manchem Mann Glauben schenken mag. (#stillnotgrowingoutmypixiecut)

Was bedeutet das Konzept der ewigen Liebe für Dich? Ist es möglich? Wünschenswert?

Zwischen Eltern und Kindern – keine Frage. Zwischen zwei Menschen in einer Beziehung – nein. Soll biologisch auch nicht so sein, ist meiner Meinung nach der Abwechslung wegen auch nicht wünschenswert, und gibt es maximal in Form einer Art „Liebe aus Gewohnheit“, die sich halt irgendwann mal einstellt – oder eben auch nicht.

Warum sind 28 Fragen zuviel?

Sind es tatsächlich 28 Fragen? Ich habe die Nummerierung entfernt, da kann ich nicht mehr mitreden.

Blogger seien Selbstdarsteller, heißt es oft. Warum stimmt das – und ist das schlimm?

Siehe oben, siehe meine Archive.

Warum machst Du bei dieser Nummer mit?

Ruhm, Ehre, Clicks, Likes, Seppos Aufmerksamkeit! Obviously.

Wie löst Du zwischenmenschliche Konflikte? Offensiv, defensiv oder gar nicht?

Ich bin ein sehr friedfertiger Mensch, aber wenn man mir blöd kommt – fress‘ ich meinen Frust solange in mich rein, bis sich meine gesamte aufgestaute Aggressivität explosionsartig extrem passiv entlädt!


So. Und? Hab ich jetzt gewonnen?

 

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Projekt: Literatur von der Aufklärung bis zur Moderne

Gestern habe ich obengenanntes Projekt begonnen. Neben den üblichen Verdächtigen (Kostenlose Klassiker auf Amazon, Thalia Kostenlose eBooks, Project Gutenberg, Zulu eBooks) habe ich auch folgenden Anbieter für Gratis e-Books gefunden: ManyBooks. Zum Sortieren und Konvertieren empfehle ich nach wie vor Calibre – aber das kennt Ihr sicher ohnehin.

Auch meinen Goodreads-Account habe ich reaktiviert – werde ihn allerdings nur für studiumsbezogene Literatur verwenden. Das entsprechende Widget findet sich nun in meiner Sidebar.

Es ist schön, endlich wieder unbeschwert lesen zu können und in der U-Bahn in der Früh und am Heimweg meinen Kindle statt Lernunterlagen zücken zu können! Was macht Ihr alle mit Eurer neugewonnenen temporären Freizeit so?

The Aftermath…

Sekt

Kommilitonin #C und ich beim Post-Klausuren-Sekt

Den Abend bei einem Spieleabend mit sehr guten Freunden ausklingen lassen… diesen aber vergleichsweise „früh“ beendet (- um Mitternacht), weil mein Körper, insbesondere meine Augenlider, sich wie Blei angefühlt haben. Trotz zweier Kaffees spätabends.

Daheim dann noch bis 3:15 in der Früh wach im Bett gelegen.

Vor lauter Müdigkeit beinahe unfähig, mich zu bewegen – aber mein Hirn: „IDIDITIDIDITOMGIDITITYEAAAAAAAAAAHHHHHHLETSPARTYCOMEON!!!!“

(Zitierte direkte Rede, btw. OMG STOP!)

Ich bin müde.

Ein intensives Nachbesprechen der Klausur in der entsprechenden Facebook-Gruppe, lässt mich jedenfalls doch ein wenig tiefenentspannter durchatmen: wir scheinen uns bei den meisten der Antworten alle durchaus einig zu sein. Zumindest einig genug, dass ich zu behaupten wage, das Minimum der 7 Punkte in jeder Teilprüfung auf jeden Fall erreicht zu haben.

2 Fragen sorgen aber für Aufregung, und das absolut berechtigt, wie ich meine. Zum einen wurde eine Frage nach dem Schema „Streichen Sie das nicht dazugehörige Wort dieser Wortgruppe und ersetzen Sie es durch das Fehlende“ gestellt, deren Beantwortung offenbar nicht nur mir nicht möglich war – da ich 2 der 3 betreffenden Worte in meinem Leben noch nicht gehört habe… und damit bin ich ganz offensichtlich nicht die Einzige. Die Studienbriefe und das Glossar schweigen dazu und im Moment herrscht da deswegen durchaus auch ein wenig (gerechtfertigte) Aufregung.

Zum Anderen wurde bei der Bestimmung der rhetorischen Figuren und Tropen dieser Satz in den Raum gestellt: „Der Kaiser wurde sowohl als Spieler, als auch als Trainer Weltmeister.“ Soweit so gut – es handelt sich um eine Antonomasie – was man allerdings NUR wissen kann, wenn man mit entsprechendem Vorwissen auch weiss, dass „Der Kaiser“ für Franz Beckenbauer steht – was meiner unserer Meinung nach keinesfalls einfach vorausgesetzt werden kann. Nicht jeder interessiert sich für Fußball – nicht jeder ist aus Deutschland, wo dieses Wissen noch eher zum Alltag gehört, als anderswo.

Beantwortungsstatistiken zu dieser Frage in Zusammenhang mit studentischer Herkunft wären hier im Nachhinein sicher interessant.

Sei’s drum. Posting auf diesem Blog wird demnächst sehr wahrscheinlich wieder eher sporadisch – in der Zwischenzeit wird’s dafür wieder mehr auf meinem Häkelblog Crochetophile’s Parlor zu lesen geben, wen’s interessiert!

Überstanden!

Mein (unfreiwilliges) Jahresprojekt „L1“ dürfte abgeschlossen sein. Die Klausur war doch schwieriger, als erwartet – besonders der erste Teil. Alles in Allem bin ich aber ganz gut durchgekommen und ganz guter Dinge – obwohl sich die im Vorfeld einkalkulierten Punkteverluste durch nicht auswendig gelernte Lexika bewahrheitet haben, leider auch einige andere, aber dies dürfte einem „geschafft“ dennoch keinen Abbruch tun, denke ich. (Hoffe ich.)

(Seit heute exisitert übrigens das „Metzlers Philosophielexikon“ – wenn auch nur in meiner Klausur – HA!)

Und so beginnt mal wieder die nervige Wartezeit… die bei L1 angeblich um Einiges kürzer ist, als bei den P und G Einführungsmodulen.

Und morgen beginnt mein Projekt: Literatur lesen! Ich werde – klausurgemäss – mit Dramen der Aufklärung beginnen: G.E. Lessings Emilia Galotti, Nathan der Weise & Miss Sara Sampson!

Ich hoffe, Euch ist es ebenfalls gut ergangen – und viel Erfolg auch an alle nicht-L1ler, die ihre Klausuren und Prüfungen für dieses Semester noch vor sich haben!

(PS: Von meiner Sitznachbarin, die nicht Kommilitonin #C war und von der ich auch nicht abgeschrieben habe, wurde ich begrüsst mit: „Du bist die mit dem Blog, gell?“ Wie cool! Hi, Kommilitonin #N! 😉 )

9 Stunden und 6 Minuten

Sapperlott, um 6 Minuten haben wir nicht mit unserem gestrigen Skype-Marathon Schritt halten können.

Literaturtheorien, Genette, Literaturrecherche, Editionswissenschaften, Rhetorik, Dramenanalyse, Lyrikanalyse – alles in einem Aufwasch.

Die Arbeits- und Hilfsmittel? Drauf gepfiffen. Ehrlich. Im Zweifelsfall einfach „Metzler“ hinschreiben und wahrscheinlich landet man damit ohnehin einen Zufallstreffer.

Ich meine… „Deutsche Literaturgeschichte“ und „Geschichte der deutschen Literatur“, sowie „Sozialgeschichte der deutschen Literatur“ und „Deutsche Literatur. Eine Sozialgeschichte“ hat doch ein bisschen was von…

Judäische Volksfront

Jedenfalls. „Nur noch 13 Stunden bis zur Klausur“ steht in meinem Countdown.

20 hours to go…

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So hat’s heute den ganzen Tag über auf meinem Esstisch ausgesehen. Ich bin fix und alle (- Hendiadyoin! HA!) – habe allerdings jetzt durchaus ein ganz gutes Gefühl im Sinne von: wird schon reichen. Kommilitonin #C rocks. Also, sie im Allgemeinen und das Lernen mit ihr im Besonderen. (Wie war das nochmal mit der Fabel und G.E. Lessing? „Die Fabel ist die Rückführung des Allgemeinen auf das Besondere. Der Autor soll Fabeln dichten, denn nur so kann er zum Genie werden.“ Genau.)

Zugegebenermaßen: ich schwimme in der Lyrikanalyse, ganz besonders in den Strophenformen. Die kann ich abschreiben. Also, nicht vom Sitznachbarn morgen, ihr wisst schon was ich meine. (Man darf ja nichtmal vergessen, sein Handy vor der Klausur auszuschalten, denn wenn sich dieses erdreistet zu läuten oder zu brummen während der 4 Stunden Klausur, selbst wenn es gut verstaut in der Tasche am Boden hinter einem liegt und man nichtmal mit einer zuckenden Wimper darauf reagiert – wird man wegen Betrugsversuchs des Raumes verwiesen, vielleicht sogar der Uni. Ja, ernsthaft. Man kann echt alles übertreiben. Daher werde ich ganz bestimmt nicht vom Sitznachbarn abschreiben, nichtmal, wenn es sich dabei um Kommilitonin #C handeln sollte.) Die Versmaße an sich kann ich unterscheiden – die Frage ist, ob ich sie auch erkenne, wenn ich sie vor mir liegen habe. Aber gut, man kann nicht alles wissen. (Warum der Ehemann kichern musste, als er im Vorbeigehen mich beim Einüben der Rhythmik des Alexandriners gehört hat…? x-/x-/x-//x-/x-/x-(/x) – gar nicht komisch!) Genette geht besser, als erwartet. Sogar die Figuren und Tropen gehen besser als erwartet. Das System der Rhetorik… Moment… inventio – dispositio – elocutio – memoria – pronuntiatio. Und exordium – propositio – narratio – argumentatio – peroratio. Mal schnell nachcheck… mmhm… ok… YAY… geht ganz passabel. Die Epochen und Gattungen habe ich heute wieder heillos durcheinandergebracht – the downside of last-minute-short-term-memory-cramming.

Bis morgen muss es drinbleiben, dann darf sich mein Hirn auskotzen. Hold your shit together, brain!

13 Stunden to go – ich sollte dann vielleicht mal mich zu Bette begeben. (- Inversion. Ha!)

4 Augenpaare…

…wenn Blicke töten könnten, ui!

Vögel
Angepisste Gesichtsausdrücke bei Wellensittichen: hier ist der Beweis. Sorry, guys. Heute wird mal nicht rumgeflogen und den ganzen Tag gequasselt, sondern Euer Aufenthaltsort völlig unzeremoniell ins Nebenzimmer bei geschlossener Tür verlegt. Mea culpa, morgen ist alles wieder gut.

9 Stunden und 12 Minuten

Statt Bibliothek gab es heute Skype mit Kommilitonin #C.

Und zwar zwischen 9:00 Uhr und Mitternacht für insgesamt 9 Stunden und 12 Minuten. 9 Stunden und 12 Minuten, in denen wir uns 300 Jahre Literaturgeschichte ins Hirn gepeitscht haben.

(Was meine 4 Wellensittiche zu der Annahme veranlasst hat, sie hätten das Recht darauf, die ganze Zeit mitzureden und sich lautstark einzumischen, beziehungsweise meine weisen Ausführungen zu relevanten Themen der Aufklärung, des Sturm und Drang, der Klassik, der Romantik, des Vormärz, des Realismus, der Moderne und der Exilliteratur frech zu übertönen. Mühsam während einer Skype-Konferenz.)

(Habe „Mordende“ stat „Moderne“ geschrieben, mich vertippenderweise, und hätte es beinahe so stehen lassen und auf Autocorrect geschoben, das ich gar nicht aktiviert habe.)

(Aufklärung 1690-1770, Sturm und Drang 1767-1790, Klassik 1786-1805, Romantik 1795-1848, Vormärz 1815-1848, Realismus 1848-1890, Moderne 1890-1933, Exilliteratur 1933-1945 – jetzt mal schnell so aus dem Kopf getippt. Schnell nachkontrollieren… YES!!!)

Jetzt geht es mir besser, obwohl ich das leicht ungute Gefühl habe, Teile meines Gehirns würden mir aus den Ohren fliessen. (Auch wegen der Wellensittich-Beschallung.)

Selbiges wiederholen wir morgen: Literaturtheorien, Genette, Dramatik, Lyrik, Rhetorik, Wellensittich-Beschallung. Ein ambitioniertes Unterfangen, aber sehr wirkungsvoll. Durch Quatschen und Vorquatschen lassen bleibt bei mir am Meisten hängen.

Himmel, was werde ich nur mit all der Freizeit ab Samstag anfangen…?

Und so sind es nur noch 3…

Ich freunde mich langsam mit dem Gedanken an, diese Klausur vielleicht auch nicht zu schaffen – ganz in echt. Und das bei gefühltem Pauk-Aufwand von nie dagewesener Menge und Intensität. Aber irgendetwas mache im Vergleich zu den anderen Modulen bis jetzt falsch.

Morgens skype ich stundenlang mit Kommilitonin #C, ab mittags sitze ich dann bis spätabends in der Bibliothek – was mir eigentlich bis dato immer Sicherheit gegeben hat, sich diesmal aber eher ins Gegenteil kehrt. Noch immer bin ich nicht mit allen Epochen durch, noch immer sitzen weder Genette, noch Lyrik, noch Rhetorik.

Panik ist kein gutes Grundgefühl… auf der anderen Seite frage ich mich: warum eigentlich Panik? Hängt ja nichts weiter an dieser Klausur, als mein eigener Stolz. Dieses Studium ist nicht wirklich relevant, ich mache es nur aus Spass an der Freude – die mir, zugegebenermaßen, im Moment ein wenig abgeht – und abgesehen davon hängt die Möglichkeit, mein Studium auch im nächsten Semester weiterführen zu können im Moment ohnehin am seidenen Faden. Studienabbruch, Runde 2. (Cliffhanger, ja. Absichtlich.)

Also, eh egal, eigentlich. Kein Stress. (Hörst Du, Hirn? Kein Stress… fuck you!)

To lighten up the mood a bit eröffne ich der werten Leserschaft hiermit, dass ich mich heuer zum ersten Mal selbst für den sensationellen und äusserst prestige-trächtigen Seppo Blog-Award vorgeschlagen habe und vom Seppo auch tatsächlich nominiert wurde. Dieser Award stellt alle bisher dagewesenen völlig in den Schatten und ich hoffe auf Ruhm und Ehre und massenhaft Clicks und Likes mit meiner Nischenbloggerei, die eigentlich keinen Menschen ausserhalb des FernUni-Dunstkreises interessiert – und da dafür aber ohnehin schon ganz ordentlich. Und da es jetzt da eben auch eine hochoffizielle Grafik für die glücklichen Nominierten gibt, will ich Euch diese voller Stolz natürlich auch nicht vorenthalten:

Seppo Blog Award Nomination

(Die Highlights in meinem Leben sind also – wie ihr seht – eher überschaubar.)

5 Tage noch.

5 Tage, sagt der Countdown links. Meine Lernlust ist auf dem absoluten Nullpunkt angelangt und noch nie hatte ich so wenig das Gefühl, etwas zu können vor einer Klausur. Ganz verstehe ich es eigentlich nicht – denn gleichzeitig hatte ich auch noch nie das Gefühl, während eines Semesters so verdammt viel gelernt zu haben, wie in diesem. Die Hälfte des Stoffes hatte ich an und für sich ja auch schon letztes Semester einmal durch und noch nie zuvor hatte ich jemals wirklich alles exzerpiert und den gesamten Stoff in seiner Ganzheit einmal durch wie dieses Mal. Eigentlich sollte ich mich ganz gut fühlen – aber das Gegenteil ist der Fall. Hatte ich bei den P-Klausuren und bei G1 eigentlich immer das Gefühl, mir schon „irgendwas aus den Fingern saugen zu können“, im Ernstfall, fehlt mir diese Sicherheit im Moment völlig.

Die letzten Tage haben Kommilitonin #C und ich damit verbracht, uns nocheinmal die Literatur- und Kulturtheorien reinzuhämmern und sitzen jetzt gerade nocheinmal an den Epochen und Gattungen. Warum liest sich das alles so, als hätte ich zuvor noch niemals etwas davon gehört? Es ist erschreckend. Ich bin immer noch im Prozess des „Merkens“ – so, so weit entfernt vom versuchten „Wiedergeben“ der Inhalte.

Lyrikanalyse… da hab ich mich zwischenzeitlich durchaus gut damit gefühlt, aber da ich seither mich kaum mehr damit beschäftigt habe, habe ich das Gefühl, dass auch das wieder komplett weg ist.

Einzig bei der Erzähltextanalyse nach Genette habe ich das Gefühl, das mit einer schnellen Wiederholung in den nächsten paar Tagen gleich wieder einigermaßen drauf zu haben. Und das Auswendiglernen der Fachlexika? Forget it. Es ist jetzt an der Zeit, Prioriäten zu setzen – und ich weigere mich, für einen oder zwei Punkte in der Klausur so einen Schwachsinn sinnlos herunterzupauken auf Kosten wertvoller Zeit, die ich für andere Baustellen noch aufbringen muss. Gibt ja genügende davon.

Eigentlich sind es ja in Wahrheit nur noch 4 Tage – also, 4 Lerntage. Montag bis Donnerstag. Wie üblich habe ich mir diese Woche freigenommen mit dem üblichen Plan, diese Zeit von früh bis spät in der Nationalbibliothek zu hocken. So weit, so gut – allerdings scheint sich meine Tochter nun die Windpocken eingefangen zu haben und ich laboriere seit heute Morgen an soetwas wie einer Darmgrippe herum – und mein Nervenkostüm wird immer dünner. Warum passiert sowas immer in der heissen Endphase der Klausurvorbereitung? Vermutlich hat das Universum einfach etwas dagegen, dass ich mich weiterbilde. Vielleicht findet es einfach auch nur einen Heidenspass daran, mir möglichst abwechslungsreich Steine in den Weg zu werfen. Bis jetzt war in jeder Klausurphase immer irgendetwas, das mir das ohnehin Schwierige noch schwieriger machte. Aber:

Watch me navigate the shit out of your rocks, Universe. IN. YO. FACE. BITCH.

(Zumal es zum Aufgeben jetzt ohnehin schon zu spät ist. Und Kommilitionin #C das auch nicht besonders lustig finden würde.) Fazit: L1 hat’s wirklich in sich und ist bis dato das unlustigste aller Module – und zwar ganz egal, wie sehr ich mich in der Vergangenheit über P und G mokiert habe. P1 ist langweilig und knochentrocken – P2 ist völlig unverständlich – G1 ist schier unüberschaubar an Stoffmenge – aber L1 stellt all das in den Schatten. L1 weckt jede Menge Erinnerungen daran, wie sich „Uni“ für mich früher angefühlt hat, vor 15 Jahren, bevor ich sie frustriert und gescheitert an den Nagel gehängt habe.

Ach, pre-Klausuren-Melodrama! Man könnte fast die Uhr nach Deiner Ankunft stellen, I swear.