Habemus Note!

8 Wochen + 1 Tag hat’s gedauert, das Warten hat ein Ende. Endlich. Gottseidank.

Herausgefunden habe ich das allerdings nicht selbst, sondern durch meine Studienkollegin B, die mich während der Mittagspause angerufen, nicht erreicht, und dann via WhatsApp mit hocherfreuten Messages inkl. Link zur Klausurkommentierung bombardiert hat.

Helle Aufregung! Und der Knall, der von hier, dem 4. Bezirk aus, weithin über Stadt und Flur zu hören war, vermutlich bis nach Hagen selbst? Das war mein Unterkiefer, das in vollem Schwung und ungebremst mit meinem Schreibtisch kollidiert ist, als ich mein Ergebnis schwarz auf weiss vor mir hatte.

Note: 1,0

Die ausführliche Kommentierung lässt immer noch erfreute Röte in mein Gesicht aufsteigen. Von „sehr hohem Niveau“ ist da die Rede, und von „hoher Qualität in formaler Hinsicht“. Und dass meine Klausur „eine sehr gründliche Auseinandersetzung mit den Kursmaterialen bezeugt“„treffsicher, sehr umfassend, differenziert und genau“.

Leute, ich g’freu mir so einen Haxen aus!!! Modul P1: abgehakt, erledigt, fertig, done, never again!

1 down, 10 more to go.

(Ich kann mich nicht erinnern, auf eine Prüfung in meinem Präsenzstudium jemals einen Einser kassiert zu haben.)

Die Motivation für P2, das mir ohnehin verständnismäßig um Einiges leichter von der Hand geht, steigt damit natürlich gewaltig. Denn ja, es ist schaffbar, das Studium. Neben Kindern, Ehe & Vollzeitjob. Und zwar nicht nur irgendwie hingenudelt, sondern auf vorzeigbare Art und Weise. Besser geht’s nicht. 🙂

Ungeduldig…

Ja, ich weiss. Es sind „erst“ sechs Wochen vergangen (- und zwar morgen auf den Tag genau), aber ich logge mich mittlerweile trotzdem jeden Tag ungeduldig im Prüfungsportal ein und hoffe auf ein Ergebnis.

Ergebnislos, bis dato.

+/- 8 Wochen ist schon eine verdammt lange Zeit, wie ich finde. Ich hoffe einfach mal auf das „-„ und denke mir, dass es langsam endlich so weit sein könnte mit der Note. Dass aber auch „+“ der Fall sein könnte und es daher im schlimmsten Fall noch ein weiteres Monat oder länger keine Note geben könnte, das blende ich einfach einmal aus.

Ich sitze hier auf Nadeln und das ist sehr unangenehm. Auch wenn die Ungewissheit Gott sei Dank keinen negativen Einfluss auf meine Lernmotivation für P2 hat, so wäre mir doch wohler, wenn ich gedanklich mit dem ersten Modul endgültig abschliessen könnte (- oder ggfs. halt auch nicht. Aber dann wüsste ich zumindest bescheid.)

Pallas Lernleitfaden, oder: wie ich aus Fehlern klug wurde

Vollkommen klar: jeder Mensch ist anders. Jeder Student lernt anders. Wir alle haben unterschiedliche Hintergründe, „das Lernen“ auf akademischem Level liegt für alle unterschiedlich lang in der Zeit zurück, bzw. hat vielleicht sogar überhaupt noch nie zuvor stattgefunden. Manche sind visuelle Typen, manche müssen den Stoff hören, um ihn sich zu merken. Einige haben vielleicht ein photographisches Gedächtnis. Andere haben vielleicht täglich Schwierigkeiten, sich aufs Neue zu motivieren, sich abends nach einem langen Tag noch hinzusetzen, sich überhaupt länger als ein paar Minuten wirklich zu konzentrieren.

Trotzdem denke ich, dass man ein paar allgemeingültige Dinge zum Modul P1 sagen kann, die vermutlich weiterhelfen – und die in der Form vermutlich auch für P2 gelten werden.

Ich vermute: wer P1 belegt und sich in freudiger Erwartung und voller Motivation (so wie ich) am Semesterstart zum ersten Mal begeistert über seine Studienbriefe beugt, hat vermutlich im Vorfeld noch keine grossen Berührungspunkte mit Philosophie und philosophischen Texten gehabt. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel, aber für den durchschnittlichen P1’ler soll diese Annahme einmal gelten.

Für mich war es auf jeden Fall so. Meine Berührungspunkte mit Philosophie beschränkten sich zu diesem Zeitpunkt auf ein Jahr Philosophie in der 8. Klasse Gymnasium – in meinem Fall unterrichtet vom sexistischen Pädo-Prof und auf ein philosophisch-biologisches Seminar, das ich irgendwann im Lauf meines Biologiestudiums belegt und bitter bereut habe.

Unweigerlich stösst man als ehemalige Naturwissenschaftlerin bereits nach wenigen Seiten des Leitkurses an die Grenzen seiner geistigen Dehnbarkeit und fragt sich ernsthaft, wo man denn hier um Gottes Willen hineingeraten ist – und warum. Schnell wird klar: für einen Naturwissenschaftler wie mich tun sich hier Abgründe auf, eine vollkommen neue Sprache muss erlernt werden, ein vollkommen neues (mir fremdes) Lernschema muss sich angeeignet werden. Geisteswissenschaften sind – surprise – ein vollkommen anderes Kaliber. Neue Wege müssen gegangen werden, alles ist anders. Und so habe ich die ersten Wochen des ersten Semesters einmal mehr oder weniger nur damit verbracht, mich „einzulesen“ und mich an die Sprache zu gewöhnen. Und daran, dass es für mich keine „Facts“ mehr zu lernen gab. Nur Theorien über Theorien – und diverse Einwände und Kritiken an den Theorien, sowie Kritiken an den Kritiken. Wenig fassbar für jemanden wie mich.

Das kostete wertvolle Zeit. Ebenso mein Versuch, mir handschriftliche Exzerpte zu erstellen. Diese waren zwar äusserst akkurat und theoretisch wohl gut brauchbar, wäre da nicht die Tatsache gewesen, dass ich handschriftlich ungefähr so schnell war, wie eine Nacktschnecke auf ihrem Sonntagsspaziergang. Das Resultat war, dass ich sehr schnell in Verzug gekommen bin und das rechtzeitige Bearbeiten der Übungsaufgaben dadurch fast immer in Stress ausgeartet ist. Am Ende hatte ich unvollständige Exzerpte, die nur soweit geschrieben waren, wie der Stoffumfang der Übungsfrage verlangt hat, und keinen Strich weiter.

Circa zur Hälfte des Semesters habe ich meine Bemühungen entnervt aufgegeben und am Computer weiterexzerpiert und voilà – plötzlich hatte ich sehr brauchbare, komplette Exzerpte und mehr Zeit, mich den Übungsaufgaben zu widmen. Wie sich später, zur Klausurvorbereitung, noch herausstellen sollte, waren auch meine anfänglich geschriebenen Exzerpte vollkommen unbrauchbar, da ich es am Ende extrem mühsam fand, den Stoff in meiner eigenen Handschrift zu lernen. Ich habe also Klausurrelevantes dann erst recht nocheinmal am Computer nachexzerpiert. Doppelte Arbeit.

Daher, kurz und knackig:

  1. Mitarbeit. Von Anfang an. Beteilige Dich regelmässig im Moodle und halte Dich an das vorgegebene Tempo und den vorgegebenen Zeitplan. Dann geht sich alles aus, auch wenn es zu Beginn nicht so aussieht.
  2. Exzerpiere. Exzerpiere. Exzerpiere. Auf welche Art auch immer – im Zweifelsfall auf jeden Fall auf die schnellste und leserlichste Art. Du wirst es Dir am Ende danken.
  3. Mind-Maps sind wunderbare Tools, um sich gleich vorneweg einen Überblick über ein Kapitel zu verschaffen und sich eine Gliederung zu erstellen, nach der man sein Exzerpt schreiben kann. Ich verwende die Chrome App MindMup dazu und bin schwer davon begeistert. Die App integriert sich wunderbar in Google Drive, das ich weiters ebenfalls nur warm empfehlen kann. Ich persönlich verfasse und verwalte all meine Exzerpte, Übungsaufgaben, etc. ausschliesslich über Google Docs, die ich im Google Drive speichere. Dadurch habe ich von immer und überall Zugriff auf die aktuellste Versionen meiner Dokumente und muss mir (hoffentlich) über Speicherung, Datenverlust und Versionschaos keine Sorgen machen.
  4. Mach alle Übunsgaufgaben und gib sie rechtzeitig ab. Herrn Schmitts Kommentierungen sind Goldes wert. (Hier gibt es beispielhaft meine Übungsaufgaben aus dem letzten Semester gesammelt.)
  5. Bleib dran. Auch im ärgsten Motivationstief. Selbst eine Viertelstunde lesen ist besser, als einen Tag ganz ausfallen zu lassen. Die Öffis am Weg in die Arbeit und am Heimweg bieten sich wunderbar für solche Tage an. Und wenn doch:
  6. Verabschiede Dich vom schlechten Gewissen. Der Tag hat nur 24 Stunden. Du hast (vermutlich) ein Leben abseits des Studiums. Kinder und einen Mann, in meinem Fall. Die können nichts dafür, dass Du im Stress bist und Dir ein Studium aufgehalst hast. Im Zweifelsfall hat das Studium zeitlichen Nachrang – und Du wirst die Prüfung trotzdem schaffen. Die von der FernUni Hagen angegebenen 20 Stunden pro Woche Lernaufwand für Teilzeitstudenten sind ein Richtwert. Ein sehr übertriebener Richtwert, wie ich finde. Zumindest für P1. Und wenn Dir einen Abend lang danach ist, lieber vor der XBox zu hocken, oder dem Fernseher, dann ist es eben so. Man braucht auch mal eine mentale Pause, sonst geht gar nichts mehr, irgendwann.
  7. Finde Dir einen Study-Buddy. Für Studenten an einer Präsenzuni quasi das Natürlichste auf der Welt – für uns Fernstudis aber nicht immer so leicht umzusetzen, wie es klingt. Die Facebook-Gruppen sind ein guter Anlaufpunkt dafür. Ebenso die in den lokalen Studienzentren zu Semesterbeginn stattfindenden allgemeinen Einführungsveranstaltungen. Ich habe in so einer Veranstaltung meinen „Study Buddy“ #B gefunden, mit der ich mich im Lauf des ganzen Semesters immer wieder via Facebook ausgetauscht habe und mit der ich im letzten Lernsprint vor der Klausur noch eine Wahnsinns-Lernsession hingelegt habe. Es hilft und motiviert. Ungemein. Geteiltes Leid und so. Und wenn man sich den Stoff vorbetet, bzw. vorbeten lässt, bleibt auch gleich noch wesentlich mehr hängen, als es durch bloßes Lesen je könnte. (Zumindest, wenn man der Lerntyp ist, der ich bin.)
  8. Nicht in Details verrennen. Es mag verlockend sein, alles bis ins kleinste Detail verstehen zu wollen und sich von anderen mitreissen zu lassen, die das ewig lang im Moodle oder auf Facebook betreiben (- und sich von denen verrückt machen lassen). Ja, natürlich soll man fragen und hinterfragen. Es ist aber unglaublich leicht, sich in ewig kleine Details zu verrennen und sich den Kopf damit anfüllen und sich damit heillos zu verwirren. Das ist wohl nicht der Sinn einer Philosophie-Einführungsveranstaltung. Die Klausur ist im Grunde nur ein präzises Wiedergeben von Gelesenem – nicht mehr und nicht weniger. Take it for what it is.
  9. Sich von Ballast trennen. Aufgeben, was nicht funktioniert. In meinem Fall zum Beispiel Karteikarten. Die ich sowohl in digitaler Form als iPad App hatte, als auch fein-säuberlich als altmodisches Karteikartenkästchen mit kleinen Kärtchen zum Befüllen. Aus irgendeinem Grund war ich darauf versessen, mit diesen Karteikarten zu lernen und sie gewissenhaft zu beschreiben und überallhin mitzunehmen. Ich wollte vor der Klausur eine perfekt geführte Kartei gefüllt mit Fremdwörtern, Theorien, Stichpunkten, etc. in der Hand haben, koste es, was es wolle. Es hat sich innerhalb weniger Tage herausgestellt, dass das einfach nicht mein Stil ist und mir gar nichts bringt – und trotzdem habe ich noch lange nicht davon abgelassen. Wertvolle Zeit, die ich sinnvoller hätte investieren können und sollen. In anständige, computergeschriebene Exzerpte zum Beispiel.
  10. Immer das Ziel vor Augen halten. Warum tust Du Dir das an? Was ist Dein Ziel? Das weisst nur Du ganz alleine. Ich persönlich hatte damals zu Zeiten meines Präsenzstudiums keine wirklichen Ziele. Ich habe studiert, weil es halt das war, was man nach der Matura gemeinhin so macht. Wo mich das hingeführt hat, wissen wir. Diesmal ist alles anders. Diesmal ist es den Aufwand und die Opfer wert. Und lass Dir das auch nicht ausreden – so wie es mir beinahe ausgeredet wurde, 3 Tage vor meiner ersten Klausur. Ja, und die Klausur selbst? UNBEDINGT SCHREIBEN. Auch wenn Du das Gefühl hast, „nichts zu wissen“, oder „nicht genug gelernt zu haben“. Geh trotzdem. Sonst wäre der ganze Aufwand im Lauf des Semesters umsonst gewesen.

seems-impossible

P1 Übungsaufgaben, gesammelt

Liebe KommilitonInnen!

(Übrigens hasse ich dieses schwachsinnige Gendern und unterlasse es daher auch im Rest des Beitrags.)

An dieser Stelle einmal ein herzliches Dankenschön für’s Mitlesen und Einbringen im Lauf des ganzen letzten Semesters. Ich hoffe wirklich, dass ich dem Einen oder Anderen bereits mit sinnvollen Informationen helfen konnte, bzw. dass sich dieser Blog im Lauf der Zeit als gute Anlaufstelle für KuWi-Studenten entwickeln wird. Das bisherige Feedback ist gut und motiviert mich, weiterzuschreiben und meine Reise weiter zu dokumentieren.

(Dieser Beitrag richtet sich hauptsächlich an Studierende, die in Zukunft P1 belegen wollen.)

Zu diesem Zwecke habe ich alle von mir geschriebenen Übungsaufgaben zum Modul P1 hier nocheinmal übersichtlich zur Referenz gesammelt. Wie immer gilt: die Aufgaben sind nach wie vor passwortgeschützt, ich schicke Euch dieses aber gerne zu, wenn Ihr ein Kommentar inkl. Mailadresse hinterlässt.

Ich habe die Beiträge mit den Übungsaufgaben jetzt auch dahingehend bearbeitet, als dass ich nach meiner Ausarbeitung unten auch noch die Kommentierung von Herrn Schmitt reinkopiert habe. Das sollte veranschaulichen, worauf Wert gelegt wird und wie die Aufgaben zu verfassen sind. Die besondere Hervorhebung meiner Aufgaben, die mit „Hervorragend“ kommentiert wurden, dient selbstverständlich nicht meiner Bauchpinselung, sondern ist als Orientierung und Hilfestellung gedacht.

Kapitel 5 „Sprachphilosophie“ konnte ich nicht zeitgerecht fertigstellen – Kapitel 8 „Naturphilosophie“, Kapitel 9 „Philosophische Anthropologie“ und Kapitel 10 „Religionsphilosophie“ habe ich ausgelassen, da zu diesem Zeitpunkt die klausurrelevanten Kapitel bereits feststanden und keines davon ein Solches war.

Folgende Kapitel waren bei der Klausur am 13. März 2014 Thema: Erkenntnistheorie, Metaphysik, Sprachphilosophie und Philosophie des Geistes. Klausurrelevanter Zusatzkurs war „Formale und informelle Logik“.

Grundsätzlich lässt sich sagen: die aktive Mitarbeit im Moodle zahlt sich mehr als aus und ist jedem Studierenden wirklich nahezulegen. Die Modulsbetreuung ist exzellent und die vielen dezenten bis ausdrücklichen Hinweise des Herrn Schmitt sind auf jeden Fall ernstzunehmen. Das gewissenhafte Schreiben der Übungsaufgaben ist eine sehr gute Vorbereitung auf die Klausur, besonders in der Hinsicht, was stilistisch und strukturell erwartet wird.

Viel Spass all Jenen, die im Sommersemester 2014 dieses Modul belegen werden! Bei Fragen stehe ich selbstverständlich jederzeit zur Verfügung!

Philosophie – Metaphysik – Theologie

Gefunden im Moodle zu P1, gedacht als Auflockerung unseres Mentors Herrn Schmitt für uns in den letzten stressigen Stunden vor der Klausur. Konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen:

Was ist der Unterschied zwischen einem Philosophen, einem (dogmatischen) Metaphysiker und einem Theologen? – Der Philosoph sucht in einem stockdunklen Raum nach einer schwarzen Katze… – Der Metaphysiker sucht in einem stockdunklen Raum nach einer schwarzen Katze, die nicht da ist.. – und der Theologe sucht in einem stockdunklen Raum nach einer schwarzen Katze, die nicht da ist und ruft: „Hurra – ich hab sie!“

Geschafft!

Oder eher: hinter mich gebracht! Denn ob ich die Klausur geschafft habe, oder nicht erfahre ich ja angeblich erst in ca. 8 Wochen.

Ich bin wirklich froh, dass ich mich dann doch noch entschlossen habe, hinzugehen, denn – kleines Detail am Rande – zwischen meinem letzten Beitrag und der Klausur liegt ein grosser Brocken extrem schwieriger und extrem schlecht getimter privater Umstände (undisclosed), die jeglichem weiteren sinnvollen Lernen den Riegel vollkommen und endgültig vorgeschoben haben. Zwar war ich ganz brav und motiviert trotz allem gleich am Montag um pünktlich 9 Uhr in der Universitätsbibliothek der TU Wien, die mir schon vor 15 Jahren sehr gute Dienste beim Lernen geleistet hat. Aber gebracht hat das gar nichts. Buchstabensalat statt sinnvoller Worte. Es ging nichts mehr – für mich war klar: zur Klausur trete ich nicht an. Vollkommen sinnlos. Mein Kopf ist voller anderer Dinge, wichtigerer Dinge, die mit Philosophie nicht das Geringste zu tun haben.

So habe ich das Lernen und Vorbereiten am Montag ganz bewusst vollkommen aufgegeben und gedanklich umständehalber auch gleich das ganze Studium. (Ja, schlimm.)

Dann war es der Tag vor der Prüfung – gestern. Verabredet war ich zum Frühstück mit einer Freundin, denn zur Klausur würde ich ja nicht gehen. Ich habe also Zeit und kann meine Urlaubstage ja immerhin anderwärtig sinnvoll nutzen. Gelernt habe ich rein gar nichts, also selbst wenn ich mich jetzt doch noch umentscheiden würde – ein Tag reicht ohnehin auf keinen Fall, um das klausurrelevante Material auch nur einmal sinnvoll durchzulesen.

Und dann – so gegen 10 Uhr vormittags – 20 Stunden vor der Klausur – der plötzliche Sinneswandel. Nein, verdammt. Ich lasse mir das Studium nicht vermiesen. Ich gebe dieses Semester, in das ich monatelang so viel Arbeit gesteckt habe, nicht kampflos auf. Ich werde mir mit einem Nichterscheinen zur Klausur nicht eine Antrittsmöglichkeit versauen. Ich werde – auch wenn ich es selbstverständlich nicht schaffen werde – zumindest hingehen und mein Bestes geben, auch wenn mein Bestes nicht gerade viel ist. Das schulde ich mir selbst und Allen, die mir im Lauf des Semesters Zeiten und Möglichkeiten freigeschaufelt haben, in denen ich lernen konnte. Das schulde ich vor allem meinen Kindern, denen ich Vorbild sein möchte. Und zwar bestimmt kein Vorbild des Aufgebens und Schwanz-Einziehens und Kapitulierens vor Widrigkeiten.

Zum Glück war meine liebe Studienkollegin B. gleich dafür zu gewinnen, abends zusammen mit mir eine last-minute „Lernsession“ einzulegen. Gemeinsam haben wir uns auf ihrer Couch den Stoff gegenseitig vorgekaut, Unklarheiten beseitigt, uns gegenseitig abgefragt. Ich kann mir Dinge durch Vorsprechen bzw. Hören wesentlich besser merken, als durch bloßes Lesen – und nach ca. 4 Stunden Harcore-Drilling waren wir spätabends doch tatsächlich mit dem gesamten Stoff durch und ich hatte das Gefühl, dass es durchaus sinnvoll sein könnte, diese Klausur wirklich doch noch mitzuschreiben. (Auch wenn alles vorwiegend im Kurzzeitgedächtnis abgespeichert ist. Was soll’s. Besser dort als nirgendwo.)

Und, oh, wie bin ich froh, dass ich hingegangen bin. Mein Kurzzeitgedächtnis hat mich nicht im Stich gelassen. Die Fakten waren alle da und abrufbar. Die Fragen kamen genau so, wie wir spekuliert hatten. Sie waren klar gestellt und gut zu beantworten. Ich weiss, dass ich die Fakten richtig habe – aber ob ich das mit der strukturierten Beantwortung allerdings auch wie verlangt hinbekommen habe, bin ich mir weit weniger sicher. Für ein „bestanden“ sollte es jedoch, denke ich, auf jeden Fall reichen. Zumindest habe ich kein schlechtes Bauchgefühl. Im Gegenteil. Ich habe ein Euphoriegefühl, weil ich tatsächlich trotzdem hingegangen bin und mich der Herausforderung gestellt habe und dieses Modul wahrscheinlich zu einem Abschluss gebracht habe – bzw. es zumindest gewissenhaft versucht habe. Ich habe nach 14 Jahren wieder eine Uniprüfung geschrieben und das macht mich verdammt stolz und glücklich. 🙂

Und jetzt – bis die Materialien für P2 eintrudeln – mache ich Pause. Ich werde triviale Bücher lesen und mir stupide irgendwelche Serien auf Netflix reinziehen. Ich werde abends nach der Arbeit auf der Couch gammeln und Channel-surfen. Ich werde alle meine angesammelten Ausdrucke und Zettelchen dem Altpapier überantworten und meine P1 Studienbriefe fein-säuberlich im Kasten stapeln. Und jetzt, ganz unmittelbar? Jetzt ruhe ich erstmal mein geschundenes Handgelenk aus (– das letzte Mal, dass ich durchgehend 3,5 Stunden per Hand geschrieben habe war vermutlich meine Deutschmatura vor 17 Jahren!) und werde das Vanilla-Coke zwitschern, das mir mein Mann „zur Belohnung“, dass ich doch hingegangen bin, mitgebracht hat. Prost!

Second Wind

Second wind is a phenomenon in distance running, such as marathons or road running (as well as other sports), whereby an athlete who is too out of breath and tired to continue suddenly finds the strength to press on at top performance with less exertion. (Source: Wikipedia)

Ein Konzept, auf das ich mich im Lauf meines Lebens eigentlich fast immer verlassen konnte. Unter Druck laufe ich zu Höchstformen auf und schaffe Dinge, von denen ich nie gedacht hätte, dass sie überhaupt machbar sind.

Es ist 5 Tage vor der Klausur und ich warte immer noch auf meinen Second Wind.

Verzweifelt, mittlerweile. Ich bin im Moment definitiv nicht klausurfit – ich bin grossteils nichtmal fit genug, um den Tag aktiv zu überstehen. Es hat sich in der Theorie alles so machbar angehört. fixer Zeitplan, straffe Zeiteinteilung, eiserne Disziplin. Dadurch kommt nichts zu kurz: nicht meine Kinder, nicht mein Job, nicht das Studium. So schön wäre es – wäre da nicht die kleine Kleinigkeit, dass die Faktoren „Kinder“ und „Job“ teilweise extrem unberechenbar sind. So kam’s, dass im Lauf der letzten paar Wochen nicht nur ein Kind so krank wurde, dass ich auf Pflegeurlaub gehen musste, sondern auch ein wahrer Tsunami an sehr aufwändiger Arbeit mit Deadlines über mich hereingebrochen ist, die alle (natürlich!) genau in der Klausurwoche fällig sind. Ausnahmslos. Ultrawichtig. Und da ich mir von Montag bis Donnerstag frei genommen habe, um zu Lernen, war meine Deadline für quasi „eh alles“ gestern.

Dementsprechend war es an der Tagesordnung, nie vor 20 Uhr endlich fix und fertig zu Hause anzukommen und es war auch nicht wirklich ungewöhnlich, dies gar noch später zu tun. Absolutes Highlight der letzten Woche: ich war erst um 22 Uhr zu Hause.

Dass da mit Klausurvorbereitung dann nix mehr gross (oder sinnvoll) war, brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Hingesetzt habe ich mich wohl trotzdem. Aber gebracht hat das wenig. Und vor allem keinen ausreichenden Schlaf. Mittlerweile wochenlang mit 5-6 Stunden Schlaf pro Nacht auszukommen, täglich 9-12 Arbeitsstunden im Büro zu absolvieren, die wenige Zeit mit meinen Kindern abends gehaltvoll zu gestalten und sich dann mit Klausurvorbereitung zu befassen ist… eine Herausforderung. Nicht nur einmal habe ich mich abends zum Betthupferl schauen mit meinen Kindern auf die Couch gesetzt und bin Stunden später an Ort und Stelle wieder aufgewacht, ohne je gemerkt zu haben, dass ich überhaupt eingeschlafen bin. Oder ich wache irgendwo auf, desorientiert, mit dem Skriptum in der Hand, wo ich während des Lernens einfach weggepennt bin.

Und jetzt sehe ich mich der vermutlich unlösbaren Aufgaben gegenüber, in den verbleibenden 4 Lerntagen den gesamten Stoff in mein Kurzzeitgedächtnis zu drillen, anstatt – wie geplant – die letzten Tage für letztes Wiederholen, den „letzten Schliff“ zu nutzen. Erkenntnistheorie – forget it. Werde ich nicht schaffen, werde ich nicht zur Beantwortung auswählen. Das heisst Sprachphilosophie und Philosophie des Geistes müssen sitzen. Aus dem FF. Alles. Lückenlos.

Needless to say: ich bin froh, wenn ich im Moment überblicksmässig reproduzieren kann, worums im Grossen und Ganzen geht. Von Formaler und Informeller Logik ganz zu schweigen. Ich pokere darauf, dass die beiden Logik-Fragen sich auf je einen der beiden Bereiche beziehen werden – das heisst: Mut zur Lücke, zumindest die Formale Logik muss sitzen. Aus dem FF. Alles. Lückenlos.

Das ist extremes Pokern und eigentlich bin ich keine Spielernatur. Eigentlich geh ich lieber auf Nummer sicher. Eigentlich hätte viel, viel mehr hängen bleiben sollen – bei der Disziplin und (meistens) Eifer, mit dem ich mich während dem Semester mit dem Stoff befasst habe.

Und jetzt… keine Spur von meinem treuen Freund und Retter in der Not: meinem Second Wind. Wo ich ihn doch so sehr brauche… nur noch ein paar Tage durchdrucken – dann kann ich schlafen. Und innerlich ein paar Gänge zurückschalten. 4 Lerntage noch – make them count, um Gottes Willen.

(Und immer im Hinterkopf behalten: eine versemmelte Klausur ist kein Weltuntergang – schon gar nicht bei meinen Rahmenbedingungen. Ich studiere „zum Spass“. Relax. Deep breaths. Es ist 15 Jahre später, kein Vergleich zu damals. Es ist alles nicht so schlimm, wie’s im ersten Moment aussieht.)

Klausuren und Hausarbeiten: Neun Rezepte gegen die schlimmsten Prüfungsfehler

Zu lustig sind neuerdings die Posts entfernter Facebook-Freunde, zu dringend müsste man mal hinterm Kühlschrank putzen, gerade jetzt. Die Zeit rennt, schon wieder sind zwei Stunden verschwunden, der Kommilitone ist schon viel weiter, vielleicht lasse ich die Prüfung besser sausen.

Der Spiegel Online hat diesen Artikel publiziert, den ich Euch nicht vorenthalten will. Viel Spass beim weiteren Prokrastinieren Lernen. Neue Lage: 17 Tage!

Prüfungsangst

Auf der Facebook-Page des Zentrums für Fernstudien Österreich gab es heute einen Link zu diesem Artikel:

Karrierekiller Angst – Strategien gegen die Angst

Und zwar im Hinblick auf die anstehenden Klausuren und eventuell auftretender Prüfungsangst.

(Auf den Tag genau ein Monat noch bis zur Klausur!)

Ein durchaus lesenswerter Artikel.

„Das Glück deines Lebens hängt von der Beschaffenheit deiner Gedanken ab“ – Marc Aurel

Habe ich Prüfungsangst? (Tick-tack.) Eine gute Frage. Ich habe ehrlichgesagt keine Ahnung. Warum? Weil ich die immer näher rückende Prüfung (tick-tack) gekonnt verdränge. Und lieber andere Sachen mache. Mahjong auf Facebook spielen, zum Beispiel. Bis zum Abwinken. (Eine Runde noch… nein, eh nur noch eine. Und noch eine. Ganz schnelle. Dann ist wirklich Schluss.) Netflix! Stimmt ja… ich habe einen Netflix-Account! Was es wohl Neues gibt…? Hab schon länger nimmer reingeschaut – JETZT wäre definitiv ein guter Zeitpunkt dafür. („The Office“ mit Steve Carrell ist ziemlich witzig!) Oh, und da gibt es ein neues Häkelmuster – das muss ich unbedingt ausprobieren!

Ob ich Prüfungsangst habe, oder nicht – tja, leider habe ich keine Zeit, darüber nachzudenken. Bin viel zu beschäftigt. Es gilt, das Lernen zu verdrängen und meine Freizeit auf entspannende, entschleunigte Weise zu nutzen – damit ich dann ausgeruht und frisch und voll konzentriert mit dem Lernen beginnen kann. Carpe diem. (Shit, isses schon wieder Mitternacht? Oops, ich muss ins Bett. Aber morgen dann!)

(Ja… so war das Studentenleben damals… ich kann mich dunkel erinnern – déjà vu!)

Das ganze Semester über war ich fleissig und motiviert. Jetzt wird’s halt ernst… und – oh! Ein Facebook alert!

(Deswegen höre ich jetzt auf, an diesem Artikel weiterzuschreiben, dessen einziger Sinn eigentlich ist, Euch den oben genannten Link näherzubringen und widme mich der Erkenntnistheorie. Echt jetzt.)